Dresdner Manifest des World Culture Forum
29. Oktober 2009 - 22:16:35 von andreas.huber | Kategorie: Hintergründe
Das World Culture Forum thematisiert seit 2007 die Rolle der Kulturen bzw. Zivilisationen als Letzt-Orientierungssysteme für die Organisation des Zusammenlebens der Menschen und Völker. Zugleich mobilisiert das Forum das Potential des kulturellen Sektors im engeren Sinne als wirkungsvollen Transformationsmechanismus für ein verändertes Denken.
Zum Abschluss des zweiten World Culture Forums wurden 10 Wünsche und Forderungen an die Regierungchefs der G20 erstellt, das sogenannte Dresdner Manifest.
Darin wird die Ökonomie als wesentlicher Teil aller Kulturen und Zivilisationen gesehen. Das Ökonomische müsse aber immer wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Aus diesem Grund müsse aus allen Teilen der Kulturen die “Leitplanken” gewonnen werden, um eine zukunftsfähige Balance zwischen den einzelnen Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales nachhaltig zu sichern. An die Stelle von Selbstregelung und freier Eigensteuerung der Märkte
im marktfundamentalistischen Sinne muss eine weltweite ökologisch-sozial regulierte, nachhaltige
Marktwirtschaft treten: ökosozial statt marktradikal!
Das Manifest begrüßt die G20 als neue Hoffnungsträger und deren Mut zentrale Themen, wie etwas Steuerparadiese anzugehen, die verdeckte Interessen betreffen, die sich geschickt hinter scheinbar wissenschaftlich oder sogar naturwissenschaftlich abgesicherten Tabus zu verstecken wussten. Die G20 werden explizit aufgefordert diese Themen weiter anzusprechen, den Marktfundamentalismus durch eine weltweite ökologisch-sozial regulierte Marktwirtschaft zu ersetzen.









Das Dresdner Manifest orientiert sich in meinen Augen allzusehr an den G20. Die Erweiterung des Kreises selbsternannter Weltherrscher sehe ich zwar als Schritt in die “richtige” Richtung, er sollte aber auch nicht überschätzt werden.
Nach wie vor ist es ein Kreis, der weitgehend “unser” Lebens- und Wirtschaftsmodell repräsentiert. Angesicht des Klimawandels,des Zusammenbruchs ökologischer Reproduktionskreisläufe und der Steigerung des Ressourcenverbrauchs zur “Bekämpfung” der Wirtschaftskrise auch nicht unbedingt zukunftsfähig. Mit Ausnahme Südafrikas ist der Kontinent - weil kein relevanter Wirtschaftsfaktor - überhaupt nicht vertreten. Eine Alternative zur UNO ist der erweiterte Kreis jedenfalls nicht.